Soziale Menschenrechte bei Amnesty

Webseite der Themenkoordinationsgruppe Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte der deutschen Sektion von Amnesty International

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Die Amnesty-Kampagne “Mit Menschenrechten gegen Armut”

Hintergrund
Menschen in Armut sind besonders oft von Menschenrechtsverletzungen betroffen. Wer nicht lesen und schreiben kann, kennt seine Rechte nicht gut genug und ist staatlicher Willkür ausgesetzt. Wer ständig schikaniert wird, fühlt sich ohnmächtig. Wer nie gefragt wird, verliert seine Stimme. Gerade Menschen in Armut sind darauf angewiesen, dass der Staat ihre Rechte respektiert.

In der Kampagne “Mit Menschenrechten gegen Armut” dokumentiert Amnesty International schwere Menschenrechtsverletzungen an Menschen in Armut. Dazu gehören menschenunwürdige Wohnbedingungen und rechtswidrige Zwangsräumungen, Müttersterblichkeit nach vermeidbaren Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, aber auch die gesundheitsgefährdende Verseuchung der Umwelt durch Unternehmen.

Zur Zeit hat “Mit Menschenrechten gegen Armut” (englisch: “Demand Dignity”) zwei Schwerpunkte. Gegen die hohe Müttersterblichkeit wendet sich die Kampagne “Mutter werden. Ohne zu sterben” und mit der Kampagne “Wohnen. In Würde” machen wir uns stark für menschenwürdige Wohnbedingungen und gegen unrechtmäßige Zwangsräumungen.

Ein Kreislauf aus Armut und Menschenrechtsverletzungen

Menschenwürdige Lebensbedingungen, medizinische Versorgung, Zugang zu Bildung sind Rechte, die viele Staaten ihren BürgerInnen verweigern. Wo Regierungen sich der Verantwortung entziehen, herrscht ein Kreislauf aus Armut und Menschenrechtsverletzungen, der schwer zu durchbrechen ist: Armut ist in vielen Fällen eine Folge von Menschenrechtsverletzungen und wird durch Menschenrechtsverletzungen verfestigt. Amnesty International wendet sich an die verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, protestiert gegen das Unrecht, fordert konkrete Verbesserungen und gibt Menschen in Armut eine Stimme: Mit Menschenrechten gegen Armut.

Mutter werden. Ohne zu sterben.

Aus vielen Gründen erhalten werdende Mütter nicht die medizinische Versorgung, die sie dringend benötigen. Manche Frauen sterben, weil sie nicht rechtzeitig eine Gesundheitseinrichtung erreichen oder es in ihrer Nähe gar keine gibt. Viele Frauen verlieren ihr Leben, weil ihre Angehörigen kein Geld für medizinische Behandlung aufbringen können. Andere sterben, weil es nicht genügend Blutkonserven gibt, Medikamente oder Ausrüstung fehlen oder weil es an medizinischem Fachpersonal mangelt.

Müttersterblichkeit ist nicht nur die Folge, sondern auch ein Grund für Armut: Jährlich verlieren zwei Millionen Kinder ihre Mütter und sind dadurch einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt. So müssen ältere Kinder, meist Mädchen, den Haushalt führen und können nicht mehr zur Schule gehen. Vermeidbare Müttersterblichkeit ist ein Menschenrechtsskandal. Gleichgültigkeit und Diskriminierung führen zur Missachtung der Menschenrechte von Frauen, ihres Rechts auf Leben und ihres Rechts auf Gesundheit.

Wohnen. In Würde.
Amnesty International setzt sich für die Rechte von Slumbewohnern und anderen von rechtswidrigen Zwangsräumungen oder Landvertreibungen betroffene Menschen ein. Die Forderungen im Detail:
Rechtswidrige Zwangsräumungen beenden! Staaten müssen alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um rechtswidrige Zwangsräumungen zu verhindern und zu verbieten. Dazu zählt auch die Verabschiedung entsprechender Gesetze in Übereinstimmung mit internationalen Menschenrechtsstandards.

Gleiche Rechte für Slumbewohner
Staaten müssen gegen die direkte und indirekte Diskriminierung von Slumbewohnern vorgehen. Die Regierungen müssen sicherstellen, dass Slumbewohner in gleicher Weise Zugang zu Wasser, sanitärer Grundversorgung, zu Gesundheitsdiensten, Wohnraum, Bildung und zu einer rechtsstaatlich arbeitenden Polizei haben wie andere Bürger.

Aktive Beteiligung von Slumbewohnern an allen Plänen und Projekten zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in Slums
Staaten müssen die Unterdrückung von Slumbewohnern und anderen, die sich für deren Rechte engagieren, beenden. Stattdessen müssen sie wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Bewohner an der Planung von Projekten zu beteiligen, die direkte oder indirekte Auswirkungen auf ihr Leben haben. Alle Stadtentwicklungs- und Wohnungsbauprojekte, die der Verbesserung der Lebensverhältnisse in Slums dienen sollen, müssen im Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards stehen, insbesondere mit dem Recht auf angemessene Unterkunft.

Weitere Infos sind auf www.amnesty.de und www.amnesty.org zu finden.

Eine Reihe deutschsprachiger Videos zum Thema gibt es hier